Vertragshändlerrecht

Ausgleichs- und Schadensersatzansprüche des Vertragshändlers in Spanien bei ordentlicher Vertragskündigung durch den Hersteller

I. Ausgleichsansprüche

1) Bereicherungsrechtliche Anspruchsgrundlage

Vertriebshändlerverträge sind im Unterschied zu Handelsvertreterverträgen im spanischen Recht nicht gesetzlich geregelt. Bei ordentlicher Kündigung der Vertriebshändlerverträge durch den Hersteller stellt sich daher stets die Frage, ob und in welcher Höhe der Vertriebshändler Ausgleichs- bzw. Schadensersatzansprüche gegen den Hersteller hat.

Die wichtigste Grundsatzentscheidung ist in dem Urteil des Tribunal Supremo vom 22.03.1988 enthalten, wo ausgeführt wird, dass der Hersteller dem Händler einen Ausgleich für den geworbenen Kundenstamm zahlen muss, sofern der Hersteller nach Beendigung des Händlervertrages weiterhin daraus Nutzen zieht. Rechtstechnisch wird dies als ein Anspruch des Händlers aus ungerechtfertigter Bereicherung gesehen (vgl. auch die Urteile des Tribunal Supremo vom 15.10.1992,17.03.1993, 27.05.1993, 17.10.1998, 12.06.1999).

2) Uneinheitliche Rechtssprechung zur Beschränkung des Ausgleichsanspruchs auf Fälle der „rechtsmissbräuchlichen“ oder „grundlosen“ Kündigung

Der bereicherungsrechtliche Ausgleichsanspruch wird jedoch teilweise (vgl. Urteile des Tribunal Supremo vom 15.11.1997,18.07.2000, 13.06.2001, 31.10.2001, 3.10.2002, 31.12.2003, 21.11.2005) lediglich für den Fall gewährt, dass die Vertragskündigung „rechtsmissbräuchlich“ (arbitraria, abusiva) war oder „grundlos“, d.h. lediglich ohne triftigen Grund (sin justa causa) erfolgte – wobei jedoch zu beachten ist, dass dieser Fall selbst dann gegeben sein kann, wenn ordnungsgemäß unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist gekündigt wurde (vgl. Urteil des Tribunal Supremo vom 12.06.1999 “no obstante estar previsto en el contrato“ sowie Urteil vom 23.6.2005).

Nach dem Urteil des Tribunal Supremo vom 16.10.2012 besteht dieser Ausgleichsanspruch jedoch auch dann wenn die ordentliche Kündigung weder „rechtsmissbräuchlich“ noch „rechtsgrundlos“ war. Für den Hersteller ist es daher in jedem Falle ratsam, in dem Kündigungsschreiben, unbeschadet der Tatsache, dass eine ordentliche Kündigung unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist ausgesprochen wird, triftige Gründe aufzuführen, die zur Ausübung des ordentlichen Kündigungsrechtes geführt haben, um den Vorwurf der „rechtsmissbräuchlichen“ oder „grundlosen“ Kündigung nicht aufkommen zu lassen und bereits auf diese Weise mögliche Ausgleichsansprüche abzuwehren.

3) Nachweis der Abwanderung des Kundenstammes und Berechnung des Ausgleichsanspruchs: Analoge Anwendung des Handelsvertreterrechts?

a) Nachweis des potentiellen künftigen Nutzens des geworbenen Kundenstammes

Dem Vertriebshändler obliegt die Beweislast dafür, dass der von ihm geworbene Kundenstamm zum Hersteller nach wie vor potentiell Vorteile bringen kann.

In dem Urteil des Tribunal Supremo vom 26.7.2000 wurde ein Ausgleichsanspruch verneint, da ein solcher Beweis nicht erbracht worden war (“….. mas no hay prueba alguna demostrativa de que la demandada se hubiera servido de la clientela creada por la recurrente para seguir distribuyendo sus productos ……”).

So auch in dem Urteil des Tribunal Supremo vom 5.2.2004, wo darauf abgestellt wurde, dass nicht der Nachweis dafür erbracht worden war qué clientes captados por iniciativa autónoma de la actora son clientes de la demandada después de la resolución.

Die Anforderungen an die Beweislast sind jedoch in den Urteilen des Tribunal Supremo vom 23.5.2005 und 9.2.2006 gelockert worden. In letzterem Urteil wird dazu ausgeführt:

„y si bien la indemnización o resarcimiento no procede automáticamente por el simple hecho de la extinción del contrato, sino que precisa de la acreditación del incremento de los compradores o usuarios habituales (S. 19 noviembre 2.003), sin embargo consiste en una apreciación meramente potencial (S. 21 noviembre 2.005), es decir, la susceptibilidad de continuar el empresario disfrutando de la clientela con aprovechamiento económico, porque se trata simplemente de un pronóstico razonable acerca de un comportamiento que no deja de ser probable por parte de dicha clientela (SS. 7 abril 2003, 30 abril y 13 octubre 2.004 y 23 junio 2.005).”

In dem Urteil des Tribunal Supremo vom 16.10.2012 wird dieser Grundsatz ausdrücklich bestätigt. Folglich ist nach dieser Rechtsprechung der Nachweis ausreichend, dass der vom Vertriebshändler aufgebaute Kundenstamm potentiell nach dem normalen Lauf der Dinge dem Hersteller direkt oder indirekt weiterhin Nutzen bringen kann. Dieser Nachweis kann aber z.B. durch den Gegenbeweis entkräftet werden, dass der neue Vertriebshändler seinen eigenen Kundenstamm mitgebracht hat (so beispielsweise in dem Urteil des Tribunal Supremo vom 26.7.2000) oder dass, gemäß der beim Handelsregister hinterlegten Jahresabschlüsse, der Vertriebshändler gar keine signifikante Umsatzeinbuße erlitten hat, z.B. weil er einen neue Konzession übernommen hat und folglich seinen Kundenstamm nunmehr mit Konkurrenzprodukten beliefert.

b) Berechnung des Ausgleichsanspruches

Da sowohl der Nachweis über die tatsächliche Abwanderung des Kundenstammes vom Vertriebshändler zum Hersteller, insbesondere bei langlebigen Produkten, naturgemäß schwer zu führen ist, stützt sich die Prozessvertretung des Vertriebshändlers, in der Regel auf eine analoge Anwendung des Handelsvertreterrechtes, wo der Vertriebshändler ein pauschaler Ausgleichsanspruchs zugesprochen wird. Die diesbezügliche höchstrichterliche Rechtsprechung ist uneinheitlich.

aa) Pro Analogie

In dem Urteil vom 12.06.1999 wird eine analoge Anwendung der „Ley sobre Contrato de Agencia“ folgendermaßen befürwortet:

“Ante la falta de regulación específica de estos contratos mercantiles especiales, si bien la Ley de Contrato de Agencia no es aplicable directamente cabe ser considerada y atender a dicha normativa en cuanto resulta inspiradora de los criterios interpretativos (S. 14, Feb. 1997), y así sucede en la indemnización a satisfacer en cuanto a la clientela.”

Das Urteil vom Tribunal Supremo vom 15.02.2001 bestätigt diese Rechtsprechung, indem es ausführt:

“La Ley 12/1992, de 27 Mayo, de Contrato de Agencia, acoge como excepción a la indemnización por clientela a la terminación del contrato, el supuesto de que el empresario lo hubiese extinguido “por causa de incumplimiento de las obligaciones legal o contractualmente establecidas a cargo del agente”, norma que es aplicable analógicamente en su principio inspirador al contrato de distribución en exclusiva, pues pese a su diferente estructura jurídica respecto del de agencia, no hay duda de que a través del distribuidor o concesionario en exclusiva el concedente se hace con una clientela de producto.”

Auch das Urteil des Tribunal Supremo vom 28.01.2002 liegt auf dieser Linie, als da gesagt wird:

“Por lo que respecta a la primera relación (venta o distribución en exclusiva) es acertado el criterio de la Audiencia favorable a la aplicación analógica de las normas legales sobre el contrato de agencia …… .”

Im Endeffekt wurde in dem Urteil vom 28.01.2002 dem Händler jedoch trotz der Erklärung der grundsätzlichen analogen Anwendbarkeit der “Ley sobre Contrato de Agencia“ keine Ausgleichszahlung zugesprochen, da der Händler lediglich einen bereits vorher bestehenden Kundenstamm betreut und konsolidiert hatte, aber nicht der Nachweis erbracht worden war, dass er tatsächlich einen neuen Kundenstamm geworben hatte.

Das Tribunal Supremo führt hierzu aus:

“La indemnización por clientela que la Audiencia basa en una aplicación analógica del art. 28 Ley 12/19922, no puede aceptarse porque no se han probado ninguno de los requisitos que al efecto exige el precepto, sin que haya razón para obviarlos cuando se utiliza el procedimiento analógico (analogía legis). Señala la sentencia recurrida que si bien no existen datos concretos que indiquen que la labor del distribuidor ha supuesto un aumento claro de clientes, “la correcta actividad comercial desarrollada por aquél ha tiendo que producir al menos la consolidación de la clientela”. Es claro que se prescinde del requisito para tener derecho a indemnización por clientela, de aportación de nuevos clientes al empresario o incremento sensible de las operaciones con la clientela preexistente. Es arbitraria la aplicación del art. 28 Ley 12/1992 a una mera consolidación o mantenimiento de dicha clientela, y mucho más cuando ello se sustituye por una presunción sin base fáctica probada.”

Auch wird in einem Urteil des Tribunal Supremo vom 9.2.2006 ausdrücklich bekräftigt, dass ein Autohändler einen Ausgleichsanspruch gemäß Art. 28 „Ley sobre Contrato de Agencia“ hat. Jedoch wird in diesem Urteil das Vertragsverhältnis als „contrato de agencia“ qualifiziert obwohl merkwürdiger Weise andererseits von „distribuidores o concesionarios“ und nicht von einem „agente“ die Rede ist.

Der Tribunal Supremo hat sich in seinem Urteil vom 16.10.2012 erneut für die analoge Anwendung des Art. 28.3 „Ley sobre Contrato de Agencia“ ausgesprochen. Dem Händler steht daher grundsätzlich in analoger Anwendung des Handelsvertretergesetzes die durchschnittliche Jahresmarge der letzten 5 Jahre als Ausgleichsanspruch zu. Uneinheitlich ist jedoch die höchstrichterliche Rechtsprechung bezüglich der Frage, ob die Bruttomarge („margen comercial“, so Urteile des Tribunal Supremo vom 12.6.1999 und 26.4.2012) oder die Nettomarge („benefico neto“, so Urteile des Tribunal Supremo vom 20.5.2009 und 8.10.2013) zugrunde zu legen ist. Der Verkauf von gebrauchten Produkten, die Vermietung sowie die Reparaturdienstleistungen dürften grundsätzlich nicht in die Berechnung des Ausgleichsanspruches einfließen, da der Hersteller davon nicht unmittelbar profitiert.

bb) Contra Analogie

Jedoch gibt es auch drei neuere Urteile des Tribunal Supremo, wo einer analogen Anwendung der „Ley sobre Contrato de Agencia“ nunmehr eine Absage erteilt wird.

In dem Urteil des Tribunal Supremo vom 31.10.2001 wird ausdrücklich die Anwendung des Art. 28 „Ley sobre Contratos de Agencia“ hinsichtlich eines Vertriebshändlervertrages abgelehnt und zwar mit folgender Begründung:

“Ambos motivos se desestiman porque falta el presupuesto básico de la indemnización, que es la existencia de un contrato de agencia. Se ha dicho e insistido que en el presente caso, no hay contrato de agencia. No pueden tenerse como infringidos por ello, artículos aplicables exclusivamente al mismo.”

Im Urteil des Tribunal Supremo vom 05.02.2004 wird ausgeführt:

“Por ello nos encontramos ante un contrato o un tipo de relaciones de los que se denominan, como se ha dicho, contrato de distribución en exclusiva o de concesión en exclusiva, de naturaleza distinta del contrato de agencia sin posibilidad de aplicación analógica de la normativa que regula dicho último contrato al supuesto que nos ocupa.”

Y también se desprende la imposibilidad de aplicar la normativa de la Ley del Contrato de Agencia respecto a la indemnización por clientela, pues, al margen de las consideraciones definitorias aceptadas, para tal indemnización es preciso que dicha clientela sea captada directamente por el propio agente y que posteriormente a la resolución se beneficie de ella la demandada; y no consta ni la primera circunstanciales pues los clientes eran con anterioridad de la propia demandada; ni tampoco la segunda, pues no consta qué clientes captados por iniciativa autónoma de la actora son clientes de la demandada después de la resolución.”

Auch wird in dem Urteil des Tribunal Supremo vom 26.04.2004 gesagt:

“… ni es en si mismo coherente que las normas imperativas por ley para un contrato típico hayan de serlo también para otro distinto …”

Festzustellen ist somit, dass die Rechtsprechung uneinheitlich ist, dass aber die neueren Urteile des Tribunal Supremo auf Distanz zur analogen Anwendung der “Ley sobre Contrato de Agencia“ gegangen sind.

Im Falle einer ordentlichen Vertragskündigung muss daher als Folge dieser uneinheitlichen Rechtsprechung stets mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass in analoger Anwendung

der “Ley sobre Contrato de Agencia“ dem gekündigten Händler als Ausgleichsanspruch die durchschnittliche Jahresbruttomarge der letzten 5 Jahre zugesprochen wird.

Um diese Risiken aus einer Vertragsbeendigung soweit wie möglich zu begrenzen, ist es daher für den Hersteller sehr empfehlenswert, sofern möglich, den Verzicht auf Ausgleichs- und sonstige Ansprüche vertraglich zu verankern. Dieser vertragliche Ausschluß ist vom Tribunal Supremo in seinen Urteilen vom 18.3.2002 und 18.03.2004 ausdrücklich sanktioniert worden. In letzterem Urteil heißt es:

“Y es que, en definitiva, sostener que el concesionario tiene derecho a indemnización por clientela en todo caso y a todo trance, es decir incluso cuando no ha habido abuso ni mala fe del concedente y en el contrato se han convenido un plazo de preaviso más que razonable y la exclusión de cualquier tipo de indemnización, equivale a desconocer que la captación de clientes durante la vigencia del contrato no es sino una de las prestaciones propias, en realidad la más característica, del concesionario, quien al asumir la obligación de promover las ventas de los productos del concedente debe una prestación de la que no sólo resulta beneficiado este último, por una posible fidelidad futura del comprador a su marca, sino también el propio concesionario porque a mayor volumen de ventas mayor es su ganancia, beneficiándose ambas partes del mismo modo que a las dos beneficia también el prestigio de la marca, normalmente debido al esfuerzo empresarial del concedente”.

c) Sogwirkung der Marke

Hinsichtlich der Sogwirkung der Marke, die zu einer Minderung des Ausgleichsanspruchs führt, sind die Urteile des Tribunal Supremo vom 12.06.1999 18.03.2004 und 5.5.2006 zu nennen. In letzterem wird ausgeführt:

“de un lado, como señala la sentencia de 12 de junio de 1999, cuando se trata de la venta de vehículos automóviles de marcas muy conocidas en el mercado, de las que los clientes cuentan con suficientes noticias e información, así como del tipo y modelo que tienen la intención de adquirir, las mismas actúan por sí como reclamo decidido para la compra del vehículo, es la atracción comercial de la marca prestigiada, que opera en la captación de usuarios, ya que estos suelen atender más a la publicidad general del fabricante que a la limitada que puede desplegar el concesionario, que en todo caso se aprovecha de aquélla, pues no suele intervenir en la confección de catálogos generales e impresos publicitarios y su actividad se concreta en la mayoría de los casos a su distribución y anuncios mediante rótulos en la fachada de sus establecimientos y correspondencia general.”

Der Tribunal Supremo hat in dem Urteil vom 12.06.1999 im Ergebnis den Ausgleichsanspruch des Händlers um ca. 20 % gemindert.

II. Schadensersatzansprüche

Selbst bei ordentlicher Vertragskündigung ist gemäß Urteil des Tribunal Supremo vom 16.10.2012 in analoger Anwendung des Art. 29 „ Ley sobre Contratos de Agencia“ dem Vertragshändler Schadensersatz dafür zu zahlen, wenn er infolge der Kündigung auf Veranlassung des Herstellers getätigte Investitionen nicht amortisieren kann. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass das Urteil des Tribunal Supremo vom 12.06.1999 eine einseitige Vertragskündigung, die ohne triftigen Grund erfolgt, zwar für wirksam erachtet, aber als „rechtsmissbräuchlich“ bzw. „grundlos“ qualifiziert (arbitraria, abusiva, sin justa causa) mit der Folge, dass Schadensersatz an den Vertriebshändler zu zahlen ist, und zwar selbst dann, wenn ordentlich unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist gekündigt wird (“no obstante estar previsto en el contrato“). In dem genannten Urteil des Tribunal Supremo vom 16.10.2012 wird jedoch betont, dass die ordentliche, fristgerechte Kündigung weder „rechtsmissbräuchlich“ noch „rechtsgrundlos“ war.

Dieser Schadensersatz, der vom Ausgleichsanspruch für den geworbenen Kundenstamm zu unterscheiden ist, und der zu diesem noch hinzukommt, besteht aus obsoleten Lagerbeständen, Kosten für die Entlassung von Personal, Kosten für die Neuausrichtung des Geschäftes etc. Ob im Falle einer “grundlosen Kündigung“ zusätzlich zu dem Ausgleichsanspruch für den geworbenen Kundenstamm noch der entgangene Gewinn (lucro cesante) geltend gemacht werden kann, ist zweifelhaft und wird von der Audiencia Provincial de Alicante in dem Urteil vom 31.10.2002 abschlägig beschieden mit der Begründung, dass nicht zwei Entschädigungen gleichzeitig kassiert werden könnten.

Zwecks Vermeidung möglicher Schadensersatzansprüche bei Vertragsbeendigung ist es daher für den Hersteller empfehlenswert, diese Ansprüche in dem Händlervertrag auszuschließen (s. hierzu das oben unter I. 3) b) genannte Urteil des Tribunal Supremo vom 18.3.2004) in dem Kündigungsschreiben die Gründe, die zur Vertragsaufhebung führen, genau zu benennen.

III. Zusammenfassung:

Bei ordentlicher Kündigung des Vertriebshändlervertrages seitens des Herstellers wird nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung für den seitens des Vertriebshändlers geworbenen Kundenstamm ein Ausgleichsanspruch wegen ungerechtfertigter Bereicherung gewährt, sofern der Hersteller nach Vertragsbeendigung potentiell weiterhin Nutzen aus diesem Kundenstamm ziehen kann. Nach uneinheitlicher Rechtsprechung des Tribunal Supremo wird dieser Ausgleichsanspruch jedoch teilweise an die Voraussetzung geknüpft, dass die Kündigung, „rechtsmissbräuchlich“ oder „grundlos“, d.h. ohne triftigen Grund erfolgte, wobei darauf hingewiesen sei, dass selbst eine ordentliche Kündigung, die unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist ausgesprochen wird, aber ohne Angabe von Gründen erfolgt, „rechtsmissbräuchlich“ oder „grundlos“ sein kann.

Die Rechtsprechung gewährt in analoger Anwendung des Handelsvertreterrechtes einen Ausgleichsanspruch in Höhe der durchschnittlichen Jahresprovision der letzten 5 Jahre, wobei es unterschiedliche Rechtsprechung zu der Frage gibt, ob die Brutto- oder die Nettomarge zugrunde zu legen ist.

Zusätzlich zum bereicherungsrechtlichen Ausgleichsanspruch gewährt die höchstrichterliche Rechtsprechung einen Schadensersatzanspruch für infolge der Kündigung auf Veranlassung des Herstellers getätigte Investitionen, vom Vertragshändler nicht amortisiert werden können. Falls der Vertriebshändlervertrag durch den Hersteller „rechtsmissbräuchlich“ oder „grundlos“ gekündigt wird, bestehen weitergehende Schadensersatzansprüche, insbesondere für obsolete Lagerbestände und Kosten für die Entlassung von Personal.

Ein vertraglicher Ausschluss von Ausgleichs- und Schadensersatzansprüchen ist zulässig.

Haben Sie weitere Fragen zu den Ausgleichs- und Schadensersatzansprüchen von Vertragshändlern in Spanien? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir beraten Sie gerne.

Dr. Carlos Wienberg
Abogado